Primority - Lebensmittelsicherheit

Lebensmittelinformationen für Allergiker

Am 20. Juni 2019 gab die IF eine Partnerschaft mit Primority bekannt, dass Unternehmen Primority Ltd ist ein spezialisiertes Softwareentwicklungsunternehmen mit Sitz in Großbritannien, das sich auf integrierte Lösungen für das digitale Lebensmittelsicherheitsmanagement konzentriert. Das Ziel von Primority ist es, den Herstellern von Lebensmitteln, bei der Überwachung der Lebensmittelsicherheit in den Lebensmittelversorgungsketten zu helfen. Primority betreibt ein Plattform namens "3iVerify", das ist ein umfassendes Lebensmittelsicherheits- und Qualitätsmanagementsystem mit unterschiedlichen Modulen für verschiedene Anforderungen, die für eine effiziente und konforme Herstellung, Verarbeitung oder den Handel von Lebensmitteln benötigt werden. Die 3iVerify-Plattform unterstützt die Hersteller bei der Einhaltung, Überwachung und Genehmigung von Lieferanten und Rohstoffen sowie bei der Einhaltung von Lebensmittelsicherheitsgesetzen und globalen Lebensmittelsicherheitsstandards, wie das FSMA (Food Safety Modernization Act) und das FSVP (Foreign Supplier Verification Program). Einige der Kunden von Primority sind führende Lebensmittelhersteller in Großbritannien, die Produkte an die großen Einzelhändler liefern.

 

Diese Partnerschaft umfasst die Entwicklung eines benutzerfreundlichen und innovativen App-Prototyps, mit dessen Hilfe die Verbraucher vor der Kaufentscheidung leicht überprüfen können, welche Allergene sich in dem geprüften Lebensmittel befinden. Dies soll die Lebensmitteltransparenz und Verbrauchersicherheit mithilfe der Distributed-Ledger-Technologie gewährleisten und allen Allergikern ein sicheres Einkaufen ermöglichen.

 

Für rund 220 Millionen Allergiker können Nahrungsmittel im extremsten Fall eine tödliche Bedrohung sein und auch die vorsichtigsten Allergiker leben täglich mit dem Risiko des Verzehrens von Allergie auslösenden Lebensmitteln, weil dieses auf der Verpackung nicht korrekt gekennzeichnet waren. Zudem können in Lebensmitteln viele versteckte Allergene enthalten sein, denen sich die Verbraucher nicht immer bewusst sind. Dies ist der Fall, wenn sich verschiedene Lebensmittel dieselbe Produktionslinie teilen, was in der Lebensmittelzubereitungsindustrie nicht ungewöhnlich ist. In den Lebensmitteln, die Allergenfrei sein sollten, können dann kleine Spuren eines Allergenes auftreten, welches auf der Verpackung ausgewiesen werden muss. Dieses Szenario wäre beispielsweise bei einem Vorverpacken Brei, der auf derselben Produktionslinie wie Erdnussbutter hergestellt wird der Fall. Der Brei enthält möglicherweise noch Spuren von Erdnüssen und wäre somit kontaminiert, solche Allergene und die damit verbundenen Risiken sind viel schwieriger zu verfolgen, da sie nur wenige Chargen und nur eine begrenzte Produktionszeit betreffen können.

Bei der Übertragung von Allergeninformationen entlang der Lieferkette, bis zu auf die Etiketten der verpackten Lebensmittel kann vieles schieflaufen und die Etiketten können schwer lesbar, schwer verständlich, unvollständig oder falsch sein. Die Komplexität der Lieferketten und Lebensmittelherstellungsprozesse macht es unseren derzeitigen Systemen nahezu unmöglich, den Grad der Granularität sicherzustellen, der für empfindliche Immunsysteme einen tödlichen Unterschied bedeuten kann.

 

Wie funktioniert es?

Um das beschriebene Problem der unzureichenden Allergeninformationen auf Lebensmittelverpackungen zu lösen, hat Primority eine verbraucherorientierte App auf Basis der eigenen 3iVerify-Cloud-Plattform und der Distributed-Ledger-Technologie von IOTA entwickelt.

Von jedem Lebensmittelprodukt wird im Herstellungsprozess ein digitaler Zwilling angelegt, dieser enthält die Liste, der im jeweiligen Produkt identifizierten Allergene, der verwendeten Rohstoffe und ihrer Lieferanten, sowie das Ablaufdatum und die Art der Überprüfungsmethoden. Alle aufgezeichneten Produktionsdaten dieses digitalen Zwillings werden vom Hersteller in der Primority 3iVerify-Cloud gespeichert, gleichzeitig wird ein unveränderlicher Hash (Fingerabdruck) dieses digitalen Zwillings im IOTA Tangle gespeichert.

Einmal im IOTA Tangle gespeichert, werden diese Informationen unveränderlich und ihre Integrität ist garantiert, dies bedeutet, dass Verbraucher den Allergeninformationen auf den Produkten, vertrauen können. Verbraucher können die gesammelten Informationen über eine Mobile App jederzeit und überall überprüfen, der Zugriff auf den Datensatz des Produkts erfolgt durch Scannen des Barcodes auf der Lebensmittelverpackung selbst.

Bildquelle: blog.iota.org

Mit Zustimmung des Lebensmittelherstellers werden die von der 3iVerify-Plattform gesammelten Informationen (digitaler Zwilling) auf dem IOTA Tangle weitergegeben. Dies geschieht über MAM-Kanäle. MAM (Masked Authenticated Messaging) ist ein Second Layer Kommunikationsprotokoll, mit dem auf einfache Weise ganze Datenströme auf dem IOTA-Tangle erstellt und gelesen werden können. Dies gewährleistet die Integrität der Informationen und schützt deren Vertraulichkeit durch Verschlüsselung. Siehe dazu auch > Entwicklung II - Sonstige > MAM.

Für jedes Lebensmittelprodukt wird ein eigener MAM-Kanal erstellt. Als Kennung des MAM-Kanals wird ein zugeordneter Code verwendet, der in der Regel dem Code auf der entsprechenden Lebensmittelverpackung entspricht. Anhand des Ablaufdatums aus dem Datensatz des digitalen Zwillings, wird die richtige MAM-Nachricht mit den Informationen ausgewählt, die der richtigen Produktcharge entsprechen, sobald das Produktetikett gescannt wurde.

MAM-Kanäle wurden einzelnen IOTA-Transaktionen vorgezogen, um neue Produktinformationen einfacher auszutauschen. Durch einfaches Ausgeben neuer MAM-Nachrichten für denselben Kanal können aktualisierte Informationen über das jeweilige Produkt oder die Lebensmittelspezifikationen auf einfache Weise aktualisiert werden. Hätte man stattdessen einzelne IOTA-Transaktionen verwendet, können die Komplexitätskosten für die Aufrechterhaltung der Konsistenz über verschiedene Updates hinweg den Wert der gemeinsamen Informationen übersteigen und die Skalierbarkeit verringern. Vor allem, wenn die Vielfalt und Menge der Lebensmittel zunimmt.

Sobald der Hash (Fingerabdruck des digitalen Zwillings) im IOTA Tangle gespeichert ist, werden die Daten des digitalen Zwillings unveränderlich und die Datenintegrität ist gewährleistet. Daher übernehmen die Hersteller die Verantwortung dafür, zu bestätigen, dass es sich bei den gemeinsamen Informationen um die in der Primority-Datenbank enthaltenen Informationen handelt. Um dies zu verifizieren, wird ein Hash der in der Primority-Datenbank enthaltenen Produktinformationen dem digitalen Twin hinzugefügt.

 

AllergensCheck App

Mithilfe dieser Mobile-App können Verbraucher den Barcode eines Lebensmittelprodukts einscannen. Unter Verwendung des Barcodes und des Ablaufdatums des Produkts wird der richtige MAM-Kanal ausgewählt und alle MAM-Nachrichten, deren Ablaufdatum, vor dem angegebenen liegt, werden abgerufen. Zur Erhöhung der Sicherheit bekommt der Verbraucher die Obermenge aller enthaltenen Allergene in dem jeweiligen Produkt vor dem nächstmöglichen Ablaufdatum angezeigt. Dies ermöglicht den Verbrauchern in Echtzeit eine fundierte Auswahl über die Lebensmittel zu treffen, die sie kaufen möchten, indem sie sich eines möglichen Risikos für die Lebensmittelsicherheit bewusst werden und das Risiko für sich selber besser einschätzen können.

Bildquelle: blog.iota.org

Zitat James Flynn, CTO von Primority: Die Motivation für diese App war auf die tragischen Ereignisse in den letzten Jahren zurückzuführen, die zum unnötigen Tod mehrerer Menschen führten, die ahnungslos Produkte konsumierten, die tödliche Allergene enthielten. Wir wollten zeigen, dass es für dieses Problem Lösungen gibt, die kostengünstig und sehr effektiv sind. Wir haben uns die traditionelle Blockchain-Technologie angesehen, waren jedoch der Meinung, dass das digitale Ledger der nächsten Generation von IOTA eine perfekte Lösung ist, auf der wir eine wirklich globale und skalierbare Lösung aufbauen können “.


Zitat Jens Munch, Leiter der Lieferkette und des globalen Handels der IOTA-Stiftung: "Die Lösung ist ein nicht wettbewerbsorientierter Aufbau, bei dem die gesamte Lebensmittelindustrie ihre Datenbanken zu Allergenen direkt für Verbraucher öffnen kann - ohne dass die Konkurrenz sensible Informationen erhält. Sie zeigt die Leistungsfähigkeit eines erlaubnislosen Ledgers und wie es eine Infrastruktur für die Lebensmittelindustrie antreibt." Wir freuen uns sehr, dass Primority diese großartige Vision vorantreibt, und freuen uns darauf, die Branche insgesamt zu beteiligen “.

 

Datensicherheit

Die Verbraucher müssen aufgrund der Verschlüsselung und des dezentralen Systems keine Angst haben, dass sensible Informationen über ihre Lebensmittelallergien an dritte übermittelt werden. Solche Informationen können einfach in der App und im Mobiltelefon des Benutzers gespeichert und nur verwendet werden, um das Erkennen von persönlichen Risiken zu vereinfachen, sobald die Lebensmittelproduktinformationen abgerufen werden.

Darüber hinaus erfordert das System nicht, dass ein Verbraucher ausschließlich über die AllergensCheck App den Barcode einscannt, die Informationen können von jeder anderen App oder auch mit dem im Internet verfügbaren Tangle-Explorer (z. B. thetangle.org) abgerufen werden. Einzelhändler oder Dritte können dieselbe Logik und dieselben verfügbaren Informationen in ihre Systeme integrieren, um den gleichen Service für Lebensmittelallergene im Rahmen ihres Angebots für Kunden bereitzustellen.

Aufgrund des erlaubnislosen Netzwerks von IOTA können Entwickler von anderen Food-Apps auf eine bereits vorhandene und jederzeit verfügbare Allzweckinfrastruktur für den Zugriff auf die erforderlichen Daten zugreifen, ohne dass eine Eins-zu-Eins-Integration in ein Eigentümer geführtes System erforderlich ist, dies erhöht die Interoperabilität der Lösung.

 

Zukunftsausblick

  • Um dieses Proof-of-Concept weiterzuentwickeln und zu vereinfachen, wird derzeit an der Integration von Industriestandards für den Austausch von Produktinformationen (z. B. GS1 digital Link) gearbeitet, zudem wird die Verwendung neuer Produktcodes (z. B. eines QR-Codes) getestet, um die Bereitstellung detaillierterer Informationen zum Produkt zu ermöglichen.
  • Um die volle IOTA-Leistung nutzen zu können, wird derzeit auch die Rolle von Token als Anreiz von Scan Aktivitäten und anderen gewünschten Benutzerverhalten untersucht.
  • Auch andere Module der 3iVerify Plattform könnten von der IOTA Technologie profitieren, beispielsweise das gemeinschaftliche Dokumentenmanagement (Genehmigung, Verteilung und Kontrolle).