Smart Contracts (weiterentwickelt)

Was sind "Smart Contracts"?

"Smart Contract" ist ein Schlagwort für eine vorher festgelegte Befehlsausführung, wenn ein bestimmtes Ereignis eintritt. Derzeit gibt es noch keine funktionierenden Anwendungsfälle einer reinen Blockchain mit SC Unterstützung in der realen Wirtschaft, alle derzeit publizierten Ideen haben den Status eines "Proof of Concept" noch nicht verlassen (Jul'19).

Der "Ethereum Smart Contract" möchte die Durchsetzung eines Vertrages durch Dritte überflüssig machen. Festgelegte vertragliche Verpflichtungen werden verkapselt in der Software verankert, autonom überprüft und durchgesetzt. Jeder, der Zugriff auf den Vertrag hat, kann feststellen, dass ein bestimmtes Ereignis immer zu einem bestimmten Ergebnis führt. Von Experten wird allgemein erwartet, dass eine Art von intelligenten Verträgen in der Zukunft verwendet wird, um viele Arten realer Papierverträge zu ersetzen. Mit diesen neuen technologischen Möglichkeiten lassen sich in vielen Branchen viele Arten von Geschäftsprozessen erheblich effizienter ausführen und Kosten reduzieren.

 

Warum ich "Smart Contracts" für überbewertet und nicht praktikabel halte.

Einen sehr großen Nachteil sehe ich darin, dass diese "Smart Contracts" sehr gut konzipiert und programmiert werden müssen, um keine Schwachstellen bzw. Angriffsmöglichkeiten für böswillige Akteure zu bieten. In der Vergangenheit gab es bereits etliche Fälle, bei denen viele Millionen Dollar durch fehlerhaften Code verloren oder durch Hacker gestohlen wurden. Da eine absolut sichere Programmierung sehr schwierig ist, gibt es mittlerweile spezialisierte Unternehmen wie Quantstamp, Inc., die ihrer Dienstleistungen anbieten, um diese Verträge auf ihre Sicherheit zu überprüfen. Die Erstellung derartiger "Smart Contracts" ist also nichts für jedermann und sollte nur von absoluten Experten konzipiert, programmiert und überprüft werden. Sollten sich zukünftige Geschäftsbedingungen oder Abläufe ändern, können diese Veränderungen nicht mal eben auf die schnelle im vorhandenen "Smart Contract" implementiert werden, dieser muss komplett neu erstellt und erneut gründlich auf seine Sicherheit geprüft werden.

Ein weiterer Nachteil ist die derzeitig fehlende Rechtsverbindlichkeit, der Gesetzgeber muss dies in Zukunft erst noch regeln, dazu müsste erst einmal genau definiert werden, was ein "Smart Contract" überhaupt ist und in welchen Fällen dieser eingesetzt werden kann und darf. Um die derzeit meisten realen Vertragssituationen bilden sich oft Grauzonen, welche des Öfteren überstrapaziert werden, im Nachhinein kommt es daher ggf. zu Konsultation von Anwälten oder Gerichten, um endgültige Klarheit zu schaffen. Falls ein Gericht ein Rückabwicklung des Geschäftsabschlusses per "Smart Contract" anordnen würde, müssten neue Lösungen gefunden werden um den Kläger zu entschädigen, da eine einfache Rückabwicklung einer Transaktion bei traditionellen Blockchains nicht möglich ist,

Ich persönlich glaube nicht, dass diese sogenannten "Smart Contracts" in Zukunft breite Anwendung finden werden, wenn überhaupt, dann nur bei sehr einfachen unkomplizierten Anwendungsfällen. Zudem, kann ich mir derzeit nicht vorstellen, dass institutionellen Auftraggeber, derartige "Smart Contracts" ohne klare Rechtsgrundlage nutzen würden.



 

Die IOTA Lösung

Um es vorweg zu nehmen, die IF priorisiert eine Lösungen mithilfe des viel allgemeiner gehaltenen Quorum-based Computing (Qubic) in Verbindung mit MAM (Maskiertes authentifiziertes Messaging), Flash-Channels, usw. Das bedeutet aber nicht, dass es in Zukunft keinen einfachen "Ja/Nein-Smart Contract" als Second Layer Lösung geben wird, da es auch einfache Anwendungsbereiche geben wird, in denen ein starrer Ja/Nein Vertrag ersetzt werden könnte.

Neben der Qubic/MAM Lösung auf die ich im nächste Abschnitt eingehen werde, steht es aufgrund des Genehmigungslosen Zugangs zur Netzwerkinfrastruktur jedem frei, eine eigene Anwendung zu erstellen, die in der Lage ist, die Aufgabe eines "Smart Contracts" in ähnlicher Weise zu erfüllen. Die Anwendung wäre nur intern nicht wie ein ERC20-Token und die internen Regeln könnten selbst interpretiert werden. Da im Tangle ausschließlich ein netzwerkbasierter Konsens über Transaktionen möglich ist, hat dies zur Folge, dass innerhalb der Anwendung eine eigene Entscheidung (Konsens) getroffen werden muss. Jedes Unternehmen könnte für sich selber eine Anwendung kreieren, die genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist, welche Konsensregeln oder Quellen der Wahrheit dabei intern verwendet werden ist jedem Unternehmen selbst überlassen.

 

Jetzt zu der IOTA Lösung, während Qubic den traditionellen Smart Contract (wie bei Ethereum) nativ unterstützen könnte, eröffnet die Kombination von Qubic in Verbindung mit MAM, Flash-Channels und gebührenfreien Mikrotransaktionen völlig neue Möglichkeiten. Für viele Anwendung benötigt IOTA keine vorher festgelegten starren "Smart Contracts", beispielsweise würde die Bezahlung an einer E-Ladesäule mittels MAM ablaufen. Dazu wird zwischen dem Fahrzeug und der E-Ladesäule ein privater MAM Kanal eröffnet um einen Datenstrom aufzubauen, jetzt wird pro Datenpunkt in Mikrotransaktionen bezahlt und die Bezahlung stoppt sobald nichts mehr empfangen wird, dafür wird kein Smart Contract benötigt. In der angestrebten Maschinenwirtschaft werden zudem viele Probleme mit autonomen Sensorabfragen gelöst werden.

Das Quorum Verfahren (Mehrheitsabstimmung) ist eine weitere Möglichkeit um autonome Entscheidungen treffen zu können und dabei Daten aus der realen Welt für eine Entscheidungsfindung zu nutzen. Beispielsweise können Oracles verwendet werden, um den Aktienkurs eines Unternehmens, von verschiedenen Börsen auf der Welt (verschiedenen Oracles), zu einem Durchschnittskurs zu kumulieren und periodisch im Tangle zu speichern. Diese Daten können anschließend von jedem interessierten Nutzer zur Weiterverarbeitung abgerufen und ggf. bezahlt werden. Ein großer Vorteil gegenüber den "Smart Contracts" ist, dass ein Quorum nur auf einer kleinen Anzahl an Rechnern im System ausgeführt werden muss, dieser Umstand ist speziell an die Bedürfnisse des verteilten Rechnens des IoT angepasst. Während beispielsweise bei Ethereum alle Rechner im System zu einem Konsensus kommen müssen, sind es bei Qubic nur die beteiligten Rechner oder Sensoren.

Hinweis: Oracle - jeder Betreiber wird ggf. für seine ehrlichen Daten (Sensoren, etc.) mit Iota-Token bezahlt. Es kommt darauf an, ob jemand bereit ist für die angebotene Dienstleistung zu bezahlen. Es werden sich in Zukunft völlig neu Geschäftsfelder bilden.

Zwei Beispiele für des Einsatz des Quorum-Verfahrens:

1)   Smart Home: Ein Nutzer möchte die Zimmertemperatur auf einen konstanten Wert festlegen und erstellt dazu ein individuelles qubics (verpackte Verarbeitungsaufgabe). Dieses qubics tauscht sich mit einer Oracle Maschine, die kontinuierlich Daten von den Sensoren zur Zimmertemperatur erhält aus, ermittelt einen Durchschnittswert und reagiert entsprechend mit einer Anpassung, wenn notwendig.

2)   Portfolio Management: Eine Oracle Maschine sammelt Kursdaten aus verschiedenen Oracles (Börsen). Externe Berechnungen liefern aus diesen Daten eine Prognose zur zukünftigen Kursentwicklung, der Nutzer erstellt nach dem erhalt der Prognose ein individuelles qubics, welches bei einem bestimmten Kurswert kaufen bzw. verkaufen soll. Ist dieser Prozess einmal in Gang gesetzt, müsste der Nutzer sich um nichts weiter kümmern, da die drei Funktionen voll automatisch in ineinandergreifen und den Handel automatisch ausführen.